wie weit reicht unsere Toleranz
und unser Miteinander?
Ein Kommentar von Richard Fischer, SPD Unterbezirksvorsitzender Mühldorf
Einen großen Schritt in Richtung Toleranz und Demokratie haben die Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises gemacht, als es darum ging, Nazis aus Mühldorf zu vertreiben. Ohne Wertung woher der Einzelne kam, welcher Organisation oder Partei er angehörte, hatten alle doch nur ein Ziel ...
– „wir lassen uns unsere Heimat nicht durch braunes Gedankengut kaputtmachen“. Die daraus entstandene Initiative und Aktionsgemeinschaft „Mühldorf ist bunt – Netzwerk für Toleranz und Demokratie im Landkreis“ wird getragen von Menschen, die aktiv und engagiert für ihre Werte und Überzeugung eintreten. Ich persönlich bin stolz darauf, ein Teil dieser Aktionsgemeinschaft zu sein.
Unsere Toleranz ist jedoch in allen gesellschaftlichen Belangen unseres täglichen Lebens gefordert.Wir leben heute in vielen Bereichen in einer multikulturellen Gesellschaft, in der alle ethnischen und kulturellen Gruppen einzeln nebeneinander existieren. Dafür ist es notwendig, dass die Angehörigen der jeweiligen Gruppen sich gegenseitig Verständnis, Respekt, Toleranz entgegenbringen und einander als gleichberechtigt ansehen können. Ich bin der Meinung, das ist uns in vielfältiger Weise schon gelungen. Gerade Waldkraiburg, eine Stadt entstanden nach dem Krieg durch die Ansiedlung Heimatvertriebener, die sich in beispielloser Art und Weise eine neue Existenz schafften, ist ein gutes Beispiel für Multikulturelles Miteinander. Gastarbeiter, Spätaussiedler, alle fanden einen Platz in dieser Stadt. Aus den Gastarbeitern wurden Mitbürger, die ihre Familien nach Deutschland holten, ihre Kinder hier zur Schule schickten und ihren Lebensmittelpunkt nun in Deutschland haben. Zu diesem Leben gehört auch die Religion und die Religionsfreiheit in unserem Land. Ich möchte hier nicht den Anschein erwecken, als würden wir die Ängste und Befürchtungen in der Bevölkerung nicht ernst nehmen. Aber es kann doch nicht sein, dass ich einkaufen gehe in türkische Geschäfte, mit Türken Fußball spiele, mich gut mit meinem Arbeitskollegen verstehe und die Integration sehr gut gelungen ist. Aber plötzlich, wenn von einem Moscheebau die Rede ist, nur noch Befürchtungen und Ängste im Vordergrund stehen. Die Moschee in Waldkraiburg besteht seit 1979 und ist auf Grund ihrer Größe nicht mehr ausreichend. Umso überraschender kam die Bebauungsplanänderung durch die CSU Fraktion im Waldkraiburger Stadtrat. Damit wurde der Neubau gestoppt.
Meine ganz persönliche Meinung dazu: Ein Problem in dieser Größenordnung sollte man nicht durch rechtliche Schritte lösen. Hier ist es wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben, von beiden Seiten ein „Auf einander zugehen“ zu signalisieren und alle möglichen Lösungsvorschläge durch zu diskutieren. Dass die momentane Situation in der Moschee in der Reichenberger Straße nicht zufriedenstellend ist, ist klar. Und wenn man überlegt, wie lange die türkisch-islamische Gemeinde schon nach einem geeigneten Gelände sucht, ist die Unzufriedenheit in der türkischen Bevölkerung nur zu gut zu verstehen. Und hier kommt wieder die Frage vom Anfang zum Tragen, wie viel Toleranz sind wir bereit, zu zeigen? Lassen wir alle Polemik und Vorurteile weg, und bemühen uns um eine Lösung, mit der Waldkraiburg leben kann, eine Stadt die für Multikulti steht.
Richard Fischer