Sozialbesuch

Veröffentlicht am 17.04.2008 in Wahlkreis

Bayern soll familiengerechter werden Mühldorf - «Bayern, aber familiengerecht», heißt der Titel der neu initiierten Aktionswochen der SPD-Landesgruppe im deutschen Bundestag.

Die SPD will Bayern familiengerechter gestalten. Im Haus der Begegnung informierten sich von links: Marianne Zollner, Leiterin des Hauses der Begegnung, AWO-Ortsvorsitzende Clara-Maria Seeberger, Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer, Bezirksrätin Ursula Bittner und SPD-Bezirkstagskandidat Michael Bartesch. Foto sb

Bayern soll familiengerechter werden Mühldorf - «Bayern, aber familiengerecht», heißt der Titel der neu initiierten Aktionswochen der SPD-Landesgruppe im deutschen Bundestag.
Ewald Schurer, SPD-Bezirksvorsitzender in Oberbayern und Mitglied des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags, war in Mühldorf unterwegs, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Bundeswahlkreis zu einem zentralen Thema zu machen. Er verwies im Mühldorfer Haus der Begegnung auf die Tatsache, dass der Landkreis Mühldorf im März eine Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent aufwies und damit leicht über den bayerischen Durchschnitt von 4,8 Prozent lag. Laut dem Deutschen Familienatlas, der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durch das Prognos-Institut erstellt wurde, hat der Landkreis Mühldorf, so Schurer, in der Kinderbetreuung einen deutlichen Nachholbedarf. «Bayern ist Schlusslicht, wenn es um die öffentliche Kinderbetreuung geht. Gerademal für 7,3 Prozent der Kinder unter drei Jahren gibt es in Bayern einen Betreuungsplatz. Dabei ist die Schaffung einer flächendeckenden Kinderbetreuung eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Kinder, die zu Hause wenig gefördert werden, haben später schlechtere Chancen im Berufsleben als Kinder, die von Anfang an ihre Talente entfalten können», bilanzierte Schurer. Ein Ziel dieser Aktionswochen ist, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen und jungen Eltern und Alleinerziehenden mehr Unterstützung zu geben. «Ein Kind aus einer bildungsfernen, materiell schlecht gestellten Familie hat eine bis zu sechsmal schlechtere Chance Abitur zu machen, als ein Kind aus einer bildungsnahen, gutsituierten Familie - und das bei gleicher Intelligenz», stellte der SPD-Bundestagsabgeodnete heraus. Ein weiterer Schwerpunkt der SPD-Politiker ist die Schaffung flächendeckender Betreuungsangebote. Schurer sprach sich in Mühldorf dafür aus, Angebote verstärkt einzuführen und die Ganztagsbetreuung an allen Schulen und Kindereinrichtungen zu realisieren. «Ich sag aber auch ganz klar, dass es eine Wahlfreiheit für Eltern und Alleinerziehende geben muss, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollen. Schurer verweist auf das Ganztagesschul-Investitionsprogramm der Bundesregierung mit einem Volumen von vier Milliarden Euro. Mit diesen Mitteln sollen die Schulen zu Betreuungsstätten ausgebaut werden. Schurer ging nach seinen Besuchen im Haus der Begegnung und bei «Mofa» auch auf die Situation der Träger dieser Einrichtungen ein. Er plädierte für eine größtmögliche Unterstützung der Kirchen und freien Träger, die sich in der Betreuungsarbeit für Kinder engagiert hätten. Eine Privatisierung dieser Einrichtungen lehnte Schurer vehement ab. «Gerade die Arbeit der Arbeiterwohlfahrt, der kirchlichen Einrichtungen und der anderen freien Träger macht es möglich, die Betreuungsangebote weiter auszubauen und die Mittel des Bundes sinnvoll einzusetzen.» Der SPD-Bezirksvorsitzende kritisierte die Bayerische Staatsregierung, weil sie bisher von 340 Millionen Euro Fördermittel aus Berlin, die notwendige Cofinanzierung in gleicher Höhe für die Ganztagsbetreuung noch nicht auf die Beine gestellt hätte: «Bisher hat Bayern nur mit 100 Millionen Euro das laufende Programm unterstützt. 240 Millionen Euro muss der Freistaat noch aufbringen.» Marianne Zollner, Leiterin des Hauses der Begegnung in Mühldorf, verwies auf das gute Betreuungsnetz in der Stadt Mühldorf aber auch auf die schwierige Situation im ländlichen Raum. «Wir brauchen neben den materiellen Zuwendungen eine Flexibilisierung der Betreuungsangebote sowie eine positivere Einstellung von berufstätigen Müttern. Das sind keine Rabenmütter, die arbeiten gehen müssen», betonte Zollner. Sie forderte auch eine bessere Bezahlung von Tagesmüttern. Diese Mütter, so Zollner, erhalten eine schlechte Bezahlung, sind in der Rentenversicherung nicht optimal abgesichert und darum gibt es große Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Tagesmüttern. Ewald Schurer will in den nächsten Wochen mit der heimischen Wirtschaft ins Gespräch kommen und versuchen auszuloten, welche Wünsche und Vorstellungen über die Betreuungsangebote die Firmen und Unternehmen haben. sb

 

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